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 Betreff des Beitrags: Ameisen im Dachstuhl (Camponotus ligniperda - A.B.)
BeitragVerfasst: 30. Jun. 2009, 19:50 
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Registriert: 30. Jun. 2009, 19:06
Beiträge: 5
Vereinzelt sind uns in den letzten Tagen ca. 1 cm lange schwarze Ameisen im Haus aufgefallen. Heute morgen mussten wir allerdings in den Speicher (Dachstuhl) der uns mehr oder weniger als Rumpelkammer dient um nach alten Schulheften unserer Kinder zu suchen. Da hörten wir dann ein deutlich vernehmbares Kratz- und Schabegeräusch im Holzgebälk. Auch fiel uns dann ein größerer Haufen Holzmehl und 3 kleine Häuflein Holzmehl unterhalb des zentralen Tragbalkens auf. Ebenso schnell haben wir auch mehrere dieser Ameisen entdecken können.

In der ersten Panik haben wir uns Paral Raid Ameisen-Spray gekauft und mal entlang des Firtsbalkens gesprüht. Da fielen die Ameisen zu Dutzenden herunter und verendeten auch schnell.

Über den Tag habe ich mir auf den Ratschlag eines Geschäftskollegen eine Dose Ardap besorgt. Dann habe ich mal eine obere OSB-Platte (der Dachdämmung) hin zum Firstbalken abgeschraubt und das Ardap entlang der Steinwolle gesprüht. Wenig später fielen wieder einge Dutzend herunter und verendeten.

Wie kann ich den Ameisen hierbei Herr werden? Ich vermute mal nach den Beiträgen die ich hier gelesen habe handelt es sich um Rossameisen. Muss ich denn jetzt die ganze Dämmung runtermachen undnach dem nest der Ameisen zu suchen um sie zu bekämpfen?
Umso ärgerlicher ist, dass wir im letzten Jahr das Dach neu gedeckt und gedämmt haben.

Der Aufbau von Außen nach innen ist Betonziegel, Konterlattung, Aufsparren-Pavatex-Platten, 140 mm Steinwolle, 15 mm OSB-Platten.

Ich bin für jeden hilfreichen Tipp dankbar.

Danke und Gruß
Abelznorko


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BeitragVerfasst: 04. Jul. 2009, 06:52 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1419
Wohnort: Reinheim
Hallo abelznorko,

Das hört sich nach Camponotus an, "Holzzerstörende Rossameisen".

Vielleicht könnten Sie ein paar der Ameisen zur Bestimmung einsenden:
Rossbergring 18, 64354 Reinheim.
Man sollte wirklich sicher sein, um welche Art es sich handelt, bevor man einschneidende und teure Maßnahmen ergreift.

MfG,
A. Buschinger

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!!! EINHEIMISCHE HAUSAMEISEN SIND KEINE SCHÄDLINGE per se !!! - Sie nutzen nur Baufehler bzw. Bauschäden zur Anlage ihrer Nester. Dies ist anders bei Exoten wie Pharaoameise, Pheidole spp. usw..


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BeitragVerfasst: 06. Jul. 2009, 05:44 
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Registriert: 30. Jun. 2009, 19:06
Beiträge: 5
Sehr geehrter Herr Buschinger,

vielen Dank für Ihr Angebot, die Ameisen zur Bestimmung habe ich gestern an Sie losgeschickt.

Am Wochenende habe ich dann vom Firstbalken ab die ersten beiden Reihen OSB-Platten abgenommen und die Dämmung entfernt um zu sehen wo sich die Ameisen zu schaffen gemacht haben. Der Schaden ist begrenzt auf ein ca. 1 m langes Stück des Firstbalkens, dort haben sie einen ca. 2 cm breiten und etwa 3 cm tiefen keilförmigen Spalt reingebissen. Fotos mit dem dabei entstandenen Holzmehl und dem Spalt selbst habe ich angefügt.

Durch den massiven Einsatz von Ardap-Spray herrscht nun Ruhe. Ich hoffe diese ist nicht trügerisch.

Was kann ich denn noch weiter tun um der sache endgültig Herr zu werden? Und vor allen Dingen kann man irgendwie vorbeugen, z.B. durch einen besonderen Schutzanstrich?

Danke für jeden hilfreichen Tipp
Abelznorko


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Dateikommentar: Der in den Firstbalken eingebissene Spalt.
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BeitragVerfasst: 06. Jul. 2009, 05:48 
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Ein weiteres Foto:


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Dateikommentar: Das dabei entstandene Holzmehl
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BeitragVerfasst: 06. Jul. 2009, 11:17 
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Beiträge: 771
Die toten Ameisen auf Bild 2 sehen stark nach C. ligniperda aus. Da Sie gleich mit Sprays gearbeitet haben, scheidet eine Köderung vorläufig aus. Ich habe mal nachgeschaut, was Ardap enthält. Es sind Cypermethrin + Permethrin, also zwei Pyrethroide. Das Problem ist, dass Sie mit dem Spray nur periphere Teile des Nests erreichen. Außerdem wirken die Residualbeläge von Pyrethroiden repellierend und werden von den Ameisen gemieden (daher die möglicherweise trügerische Ruhe). Aus der Prüfung von pyrethroidhaltigen Ameisenmitteln im Streu- und Gießverfahren im Freiland, wo die Bedingungen bezügl. Eindringtiefe ungleich besser sind, kann ich Ihnen sagen, dass sich die Wirkung nur auf den unmittelbar behandelten Bereich beschränkt. Daneben wird munter weitergebaut. Andererseits sind holzbewohnende Ameisen zunächst mal darauf angewiesen, die angelegten Eingänge zu nutzen, die Sie mit dem Spraybelag nun blockiert haben. Möglicherweise liegen weitere Nestaus/eingänge aber im Außenbereich des Firstbalkens, wo die Ameisen zum Fouragieren sofort im Freien sind. Falls dies nicht der Fall sein sollte und die Eingänge nur in dem keilförmigen Riss liegen (der mit Sicherheit nicht von den Ameisen angelegt wurde, sondern bereits vorhanden war und lediglich als günstige "Angriffsstelle" genutzt wurde), wird es darauf ankommen, wie die Kolonie die Insektizidblockade übersteht und ob sie neue Ausgänge anlegen kann. Ewig kann sie auch nicht von der Substanz leben. Die paar Dutzend Ameisen, die Ihnen vor die Füße gefallen sind, haben jedenfalls keine große Bedeutung, wenn man davon ausgeht, dass ein großes ligniperda-Volk mehrere tausend Individuen enthält. Beobachten Sie die Sache mal weiter und horchen sie auf Nagegeräusche. Wenn sich wieder Ameisen zeigen sollten, könnten Sie eine Köderung versuchen. Ultima ratio dürfte ein Injektionsverfahren sein, bei dem über Bohrlöcher Insektizid unter Druck ins Holz gepresst wird.
Noch einige Fragen:
Wohnen Sie in Waldnähe? Wenn nicht, ist ein Wiederbefall durch Rossameisen sehr unwahrscheinlich. Wie alt ist das Haus bzw. wann wurde der Firstbalken eingebaut? Evtl. befand sich die Kolonie bereits im Bauholz.

Gruß
G. Heller


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BeitragVerfasst: 06. Jul. 2009, 16:30 
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Registriert: 30. Jun. 2009, 19:06
Beiträge: 5
Sehr geehrter Herr Heller,

anbei habe ich eine Nahaufnahme von 2 toten Ameisen angefügt.

Hier die Antworten auf Ihre Fragen:

1) Wir wohnen in Waldnähe und haben auch vor dem Haus einige Laubbäume und zwei große Fichten stehen (Abstand der Bäume etwa 5 Meter zum Haus). An den Fichten konnten wir schon mehrfach beobachten wie Ameisen zu Dutzenden den Stamm hochgelaufen sind. Wir gingen bisher immer von Waldameisen aus und ließen sie entsprechend in Ruhe.
Wir hatten bisher auch noch nie Probleme mit Ameisen im Haus.

2) Das Haus ist Baujahr 1965 und so alt ist auch der Firstbalken. Letztes Jahr haben wir dann einen neuen Anbau hochgezogen und dann das Dach komplett (Neu- und Altbau) gedeckt und von innen gedämmt. Dabei wurden die alten Balken alle von den Zimmerleuten untersucht und bis auf 3 Sparren, die dann auch getauscht wurden, für absolut gut und weiterhin tragfähig befunden.

Vorher als wir noch keine Dämmung hatten, waren jedes Jahr 2 bis 3 kleine Wespennester direkt innen an den Ziegeln. Mit den Wespen gab es allerdings nie Probleme (waren nie aggressiv) und im Herbst hat sich das Problem von alleine erledigt.

3) Es ist anzunehmen (sicher wahrscheinlich) dass der Firstbalken einen Riss hatte und dieser als Angriffsfläche genutzt wurde. Ich dachte aber dass nur morsches und feuchtes Holz von Ameisen genutzt wird. Die Menge des Holzmehls waren etwa 4 - 5 Hand voll.

Nach allen Recherchen bisher bin ich auch zur Überzeugung gelangt dass es sich um camponotus ligniperda handeln muss. Zur Überprüfung habe ich welche an Herrn Buschinger gesandt.

Welcher Köder wäre denn angebracht? Oder was wäre denn jetzt das richtige weitere Vorgehen in der Sache?

Danke für Ihre Hilfe
Abelznorko


Dateianhänge:
Dateikommentar: Nahaufnahme zweier toter Ameisen
Dachstuhl_Ameisen_03.jpg
Dachstuhl_Ameisen_03.jpg [ 6.13 KiB | 23494-mal betrachtet ]
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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07. Jul. 2009, 10:25 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1419
Wohnort: Reinheim
Hallo Abelznorko,

Die Ameisen sind angekommen, und es ist tatsächlich Camponotus ligniperda.
Die Tiere sind sehr groß, so dass Sie es bestimmt nicht mit einer etwa im letzten Jahr durch eine Königin neu gegründeten Kolonie zu tun haben. Möglicherweise ist das Volk von den nahe beim Haus stehenden Bäumen zu Ihnen ins Dach gezogen, als dort dank Isolierung ein geeigneter Nistplatz entstand. Die großen Tiere aus älteren Kolonien schaffen es auch, gesundes Holz zu bearbeiten, um darin ihre Brutkammern anzulegen.
So viel im Moment.
Wie Herr Heller schon schrieb, ist Köderung jetzt, nach einem Insektizideinsatz, wenig aussichtsreich. Man wird abwarten müssen, ob an derselben ode einer anderen Stelle nach einiger Zeit wieder Holzmehl ausgeworfen wird.

MfG,
A. Buschinger

PS: Sie fragen, wie Sie sich erkenntlich zeigen können:
Diese Bestimmung erfolgt gratis. Es wäre jedoch nett, wenn Sie eine Spende (steuerlich absetzbar) zum Schutz der nützlichen und gefährdeten Waldameisen an die Deutsche Ameisenschutzwarte e.V., Horst Fentzahn, Kreissparkasse Hannover (BLZ 250 502 99), Kto-Nr. 2 008 852 143, überweisen könnten.

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07. Jul. 2009, 20:59 
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Registriert: 07. Jul. 2005, 10:19
Beiträge: 771
Hallo Abelznorko,

ich würde Ihnen ebenfalls raten, erst mal abzuwarten. Beobachten Sie immer wieder mal, ob Ameisen an der Hauswand hochlaufen (oder berühren Äste Ihrer Bäume das Haus, so dass eine Brücke vorhanden ist?). Kontrollieren Sie auch den Belauf an den Fichten, und wo die Ameisen verschwinden.
Zu Ihrer Frage nach dem feuchten Holz: das trifft für Lasius brunneus zu. Die Rossameisen mögen kein vermorschendes Holz. Für die Feuchtigkeit sorgen vermutlich "Wasserträger". So habe ich es auch z.B. bei dem mediterranen Crematogaster scutellaris beobachtet, der ebenfalls in südlichen Ländern sehr häufig Dachbalken besiedelt.
Eine Idee ist mir noch gekommen, falls sich wieder etwas tut: Erkundigen Sie sich, ob es ein Holzschutzmittel mit Fipronil gibt. Dieser Wirkstoff hat eine lange andauernde Residualwirkung ohne den Repellenteffekt der Pyrethroide. Es gibt zwar auch das Ameisenstreumittel von Celaflor, aber ich weiß nicht, ob Sie das in die Nesteingänge im Holz applizieren können.

Gruß
G. Heller


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 Betreff des Beitrags: Zwischenbericht nach 4 Wochen
BeitragVerfasst: 04. Aug. 2009, 14:54 
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Registriert: 30. Jun. 2009, 19:06
Beiträge: 5
Vielen Dank zunächst mal für die vielen nützlichen Hinweise. Auch für die schnelle und selbstlose Bestimmung der Ameisenart (eine Spende an die Ameisenschutzwarte habe ich dafür gerne getätigt).

Nun aber zum Zwischenstand nach einem Monat. Es ist und bleibt weiterhin absolut ruhig. Keine Nagegeräusche, kein weiteres Holzmehl und nicht eine einzige weitere Ameise konnte ich entdecken. Ich habe rund ums Haus versucht zu beobachten wie evtl. Ameisen in den Dachstuhl gelangen könnten und nichts gefunden. Eine Brücke durch Baumäste ist auch nicht vorhanden.

Ich habe mich dann letzte Woche spontan entschlossen den alten Dachboden (40 Jahre alte Bretter) heraus zu reißen und dort nach evtl. Zugängen und Löchern zu suchen. Auch hier konnte ich nichts finden. ich habe dann den Dachboden mit OSB-Platten neu gelegt.

Am Wochenende plane ich nun die obere Reihe Dämmung zwischen den Dachsparren wieder anzubringen und die OSB-Platten wieder anzuschrauben, in der Hoffnung dass sich die Ameisen nicht wieder dort irgendwie einnisten.

Kann ich noch zusätzlich irgendetwas unternehmen dass ich künftig von Ameisen verschont bleibe? Ein Holzschutzmittel mit dem Wirkstoff Fipronil konnte ich nirgends auftreiben.


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