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 Betreff des Beitrags: Ameisen im Dachgeschoss - Camponotus fallax (G. Heller)
BeitragVerfasst: 04. Mär. 2010, 22:45 
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Registriert: 27. Feb. 2010, 19:22
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Hallo,

im Herbst letzten Jahres sind wir in unsere jetzige, zweistöckige Dachgeschosswohnung gezogen. Das gesamte Haus ist innengedämmt, d.h. alle Innenräume bestehen an den Wänden und Decken aus Rigips-Platten mit 10-20cm Dämmaterial dahinter. Im Moment des Einzugs hatten wir noch nicht geahnt, dass das ein Problem werden könnte...

Vor zwei Wochen krabbelte dann das erste Mal eine Ameise quer über meinen Schreibtisch. Unsere anfängliche Verwunderung wich ein paar Tage später einer Befürchtung, als die Anzahl der auftretenden Ameisen langsam bis auf ca. 10 pro Tag anstieg. Dabei tauchten die Ameisen stets einzeln an verschiedenen Orten auf (bildeten also keine Straße o.ä.). Des Weiteren erscheinen sie stets erst am Nachmittag, sind dann aber bis in die Nacht anzutreffen.

Insbesondere der Fund einer Königin (1,5 mal so groß wie die restlichen Ameisen + Flügel) an einem Dachfenster (die ich gedankenverloren aus selbigem jagte) macht uns Sorgen.

Nach einigen Tagen fanden wir jedoch endlich einen Häufungspunkt und schließlich auch das Loch in der Wand zur Dämmung und plazierten einen Ameisenköder (Nexa Lotte - Fipronil) davor. Der Köder wurde in den folgenden drei Tagen gut angenommen und schon nach zwei Tagen fanden wir (auch weit abseits des Loches) sowohl tote als auch (vermutlich vom Gift) stark geschädigte Ameisen. Allerdings auch immer wieder einige sehr lebendige.

Inzwischen haben wir, leider auch in anderen Zimmern, Ritzen entdeckt, aus denen ab und zu einzelne Ameisen kommen. Im Prinzip können sie durch den Hohlraum alle Zimmer der Wohnung erreichen. Allerdings finden wir auch in diesen Zimmern immer wieder einzelne tote Ameisen.

Die Lage ist bisher nicht dramatisch, mehr als 10-15 Ameisen haben wir über den Tag verteilt noch nicht gesehen, wobei die Befürchtung natürlich nach wie vor besteht, dass es mehr werden könnten.

Insbesondere sind wir uns noch nicht einig, wie wir gleichzeitig die toten und die lebendigen Ameisenfunde in der ganzen Wohnung erklären können. Haben wir nun bereits erfolgreich das Nest vergiftet und die noch lebendigen werden auch bald sterben, oder nicht?

Der aktuelle Stand ist, dass wir mehrere Ameisenköder gleicher Bauart wie oben an allen Stellen ausgelegt haben, an denen wir Ameisen aus der Dämmung haben kommen sehen.

Ich habe einige Photos gemacht und die besten unter http://www2.informatik.hu-berlin.de/~kunert/news-pics/20100227/ ins Netz gestellt. Nach dem eingehenden Studium dieses Forums liegen auch bereits mehrere Ameisen unter Tesa im Eisfach :)

Unsere vermutlich offensichtlichen Fragen lauten nun: Mit welchen Ameisen haben wir es eigentlich zu tun (wir haben nach mehrstündigem Photoabgleich im Netz zwar eine Vermutung, aber die passt eigentlich nicht zu einer Dachgeschosswohnung).

Machen wir das Richtige und wird es ausreichen?

Danke vielmals im voraus für alle Antworten
Andreas


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BeitragVerfasst: 05. Mär. 2010, 11:13 
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Hallo,

wegen dieser Ameisen brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Es handelt sich um Camponotus fallax. Die Kolonien dieser eher seltenen Art sind individuenarm, leben in Totholz von Bäumen, gelegentlich in verbautem Holz. Schäden durch diese Art sind nicht bekannt und wegen der kleinen Kolonien wohl auch ausgeschlossen. Die geflügelten Männchen und Jungköniginnen überwintern und schwärmen ab April/Mai. Der "vorgezogene Termin" in Ihrem Fall ist der geheizten Wohnung zu verdanken.

Gruß
G. Heller


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BeitragVerfasst: 07. Mär. 2010, 11:36 
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Registriert: 27. Feb. 2010, 19:22
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Wohnort: Berlin
Hallo Herr Heller,

zunächst einmal vielen Dank für ihre schnelle Antwort. Camponotus Fallax war auch unsere Vermutung, allerdings hielten wir es für unwahrscheinlich, dass ausgerechnet wir mit einer seltenen Art beglückt sein sollten...

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich ihre restliche Antwort vollständig einordnen kann, daher erlauben Sie mir bitte ein paar Nachfragen.

Zunächst zum aktuellen Stand: weiterhin erscheinen ca. 10 Ameisen pro Tag, die meisten davon putzmunter. Was neu ist, ist dass sich inzwischen vermehrt Major-Arbeiterinnen darunter befinden und heute früh habe ich erstmalig ein Männchen gesehen, was mit ihrer Beschreibung des verfrühten Schwärmtermins übereinstimmt. Ich vermute mal, dass es sinnvoll sein wird, in den nächsten Tagen die Dachfenster offen zu lassen?

Nur zur Sicherheit ob ich Sie richtig verstanden habe: Wir haben ein Nest mit Königin, Arbeiterinnen und Eiern, aus denen gerade Männchen und Jungköniginnen geschlüpft sind, wobei letztere in den nächsten Tagen einen Weg nach außen suchen werden. Darf ich davon ausgehen, dass unabhängig davon weiterhin Arbeiterinnen produziert werden?

Oder anders gefragt: Was passiert nachdem die Geflügelten weg sind? Die restlichen Ameisen werden deshalb das Nest doch nicht aufgeben, oder doch?

Danke nochmal vielmals, erneut auch im voraus
Andreas


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BeitragVerfasst: 09. Mär. 2010, 10:55 
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Beiträge: 771
Hallo Andreas,

dass sich eine komplette Kolonie in Ihrer Wohnung eingenistet hat, dürfte ziemlich klar sein. Die jetzt schwärmenden Weibchen und Männchen waren bereits im letzten Sommer geschlüpft, haben überwintert und versuchen jetzt ins Freie abzufliegen, was bei den derzeitigen Aussentemperaturen jedoch unmöglich ist.
Natürlich werden nach dem Schwärmen wieder Arbeiterinnen und eine neue Geschlechtstiergeneration produziert. Die Camponotus-Arten überwintern stets mit Larven, die im Frühjahr ihre Entwicklung fortsetzen. Möglicherweise hat die Königin bereits wieder mit der Eiablage begonnen.
Obwohl Sie jetzt noch muntere Arbeiterinnen sehen, ist es gut möglich, dass die Kolonie in den nächsten Wochen ausstirbt. Fipronil wirkt sehr schleichend.

Gruß
G. Heller


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BeitragVerfasst: 18. Mär. 2010, 11:59 
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Hallo,

ich dachte mir, ich schreibe mal kurz den aktuellen Stand auf, da wir uns mit der Bewertung der Lage ziemlich unsicher sind.

Zunächst hatten wir vor ca. 10 Tagen einen entscheidenden Durchbruch: wir glauben, das Nest gefunden zu haben (zuvor musste mir der Vorbewohner erst zeigen, dass und wie man in den Zwischenraum zwischen Wohnung und Dachschräge gelangt). Dieses scheint sich in einem Dachbalken bzw. dem Füllstoff dahinter zu befinden, zumindest krabbeln die Ameisen zwischen zwei davor befindlichen Dachlatten hervor. Unter diesem vermuteten Nest befand sich ein ziemlicher Berg aus Styropor-Kügelchen, undefinierbarem braunen Dreck (vermutlich Holzüberbleibsel) und einzelnen toten Ameisen.

Als erste Maßnahme habe ich den Dreck weggesaugt und stattdessen Ameisenköder ausgelegt (weiterhin Fipronil - sowohl als Köderbox als auch als Pulver; nach bisherigen Erfahrungen gehen sie an beides, wobei die Box bevorzugt wird). Am Tag danach konnte ich unter dem Nest 50-80 tote Ameisen vorfinden (schwer zu sagen, da viele davon in Einzelteilen da lagen).

Seitdem klettere ich jeden Abend in diesen Zwischenraum, mache Verlaufsphotos und sauge ab und zu die Kadaver weg, damit ich die neu hinzugekommenen Ameisen besser zählen kann. Allerdings treffe ich dabei immer noch auf aktive Ameisen, insbesondere wenn der vermutete Nesteingangsbereich beleuchtet wird.

Die bisher gemachten Ameisenfunde habe ich mit Zahlen und Photos unter http://www2.informatik.hu-berlin.de/~kunert/ameisen dokumentiert.

Bezüglich der in der Wohnung anzutreffenden Ameisen hat sich nur wenig geändert - ihre Anzahl ist bis vorgestern leicht zurückgegangen (bis auf 5). Insbesondere wissen wir nicht, wieviel dieses Rückgangs auch einfach auf den Kälteeinbruch vor ca. 1,5 Wochen zurückzuführen ist. Vor allem gestern, wo es das erste Mal wieder wärmer geworden ist, tauchten wieder vermehrt geflügelte Tiere, aber auch normale Ameisen auf (insgesamt 16). Allerdings zeigen zumindest die Hälfte der Ameisen deutliche Vergiftungserscheinungen.

Ebenfalls neu ist, dass wir seit ca. 1 Woche verstärkt deutlich kleinere Minore (Pygmäenarbeiterinnen?) beobachten konnten.

Die nun offenen Fragen lauten:
1. Haben wir genug getan? Ist die Kolonie eigentlich schon praktisch tot und wir müssen lediglich den Tod der restlichen Ameisen abwarten?
2. Besteht eigentlich die Gefahr, dass es immer noch kerngesunde Ameisen im Nest gibt, die das vergiftete Futter aufgrund der Reaktionen der anderen Ameisen meiden werden und demzufolge einer Vergiftung entgehen?
3. Sollten wir aufgrund der Pygmäen besorgt sein oder sind das einfach die Ameisen, die bei der mutmaßlich vor einem Jahr erfolgten Nestgründung geschlüpft sind?
4. Angenommen, das Nest wurde bereits hinreichend vergiftet (es wird mangels Königin keine neuen befruchteten Eier mehr geben) und wir bekämpfen nur noch "den Rest". Wäre es dann sinnvoll jetzt auf sofortwirkende Gifte umzusteigen und diese auch direkt in den Nesteingang zu sprühen? Falls ja, gibt es Empfehlungen bzgl. des Wirkstoffes?
5. Von Herrn Buschinger habe ich noch die Angabe in Erinnerung, dass Camponotus Fallax vergleichsweise kleine Nester mit 100 bis 200 Individuen bildet. Da wir nun, wo es wieder wärmer wird, täglich Geflügelte finden und beseitigen; mit wievielen dürfen wir insgesamt rechnen?

Vielen Dank schon im voraus für hilfreiche Antworten und die damit verbundenen Mühen

Mit freundlichen Grüßen
Andreas

P.S.: Unabhängig von den Antworten ist eine Spende an die Ameisenschutzwarte bereits fest eingeplant.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19. Mär. 2010, 21:12 
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Registriert: 07. Jul. 2005, 10:19
Beiträge: 771
Hallo,

als Pygmäen bezeichnet man die sehr kleinen Erstlingsarbeiterinnen junger Kolonien. Hier handelt(e) es sich aber um ein reifes Volk, das mit Sicherheit nicht vor einem Jahr gegründet wurde, denn Geschlechtstiere werden immer erst nach einigen Jahren aufgezogen. Camponotus-Arten besitzen große und kleine Arbeiterinnen, die durch "Zwischengrößen" verbunden sind. Dass kleine Tiere vorhanden sind, ist also normal.
Dem von Ihnen dokumentierten Verlauf nach dürfte die Kolonie am Ende sein. Ein Überleben der Königin ist nicht sehr wahrscheinlich. Weitere Maßnahmen außer einigen Nachkontrollen sind nicht erforderlich.

Gruß
G. Heller


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