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 Betreff des Beitrags: Gegendarstellung zu "Neues Märchen über Waldameisen&quo
BeitragVerfasst: 04. Sep. 2006, 17:36 
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Registriert: 04. Sep. 2006, 17:24
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Gegendarstellung zu Buschingers Kritik

Werter Herr Buschinger,
es ist schon etwas bedauerlich, in welcher Form Sie mit Ihren kritischen Äußerungen auf den Markt gehen. Wir sind uns bisher nicht begegnet, es ist eine neue Erfahrung einen Kollegen aus einer anderen Fachrichtung so kennen zu lernen.

Als Wissenschaftler bin ich es gewohnt, mich mit Kollegen auf gleicher Augenhöhe zu unterhalten, Daten vorzulegen, ihre Reproduzierbarkeit zu überprüfen und auch überprüfen zu lassen, entwickelte allgemeine Aussagen auf ihre Zuverlässigkeit zu testen und testen zu lassen. Grundprinzipien der Wissenschaft, die ich Ihnen nicht zu erläutern brauche.

Ein weiteres Grundprinzip ist, dass Kritik und die gewünschte Auseinandersetzung mit neuen wissenschaftlichen Ergebnissen auf Kenntnis der Datenlage beruht. Und hier, so können Sie nach Durchlesen des gesamten Textes vielleicht beurteilen, setzt bei mir ein gewisses Unbehagen ein. Ihnen ist weder die Datengrundlage meiner Untersuchungen bekannt, noch besitzen Sie geologische Kenntnisse, um die vorgestellten Zusammenhänge zu beurteilen. Und dann gibt es noch den Roman, Die Flucht der Ameisen, den Sie nicht gelesen haben.

Das ist Ihre Grundlage um zu einem gemischten Straus von Aussagen zu gelangen wie „Neues Märchen über Waldameisen“, „wissenschaftliche Verbrämung“, „Science Fiction“, „…die selbe Kategorie wie …Reizzonen ... von auserwählten Wünschelrutengängern … bestimmt“.

Ich war geneigt, dieses „Kleinod an argumentativen Unsinn“ zu ignorieren, stammte es nicht von einem Kollegen, von dem ich Unterstützung und fachlichen Beistand erhofft hatte. Ich habe immer noch die Hoffnung, auch Sie Herr Buschinger, anhand der Datenlage und womöglich gemeinsamer Exkursionen zu überzeugen.

Zur Wissenschaft: Seit mehr als 3 Jahren verfolge ich das Phänomen „Standorte hügelbauender Waldameisen auf geologischen Störungen“. Die Ergebnisse werden in Kürze veröffentlicht, ich werde Ihnen einen Sonderdruck zusenden. Die Schwierigkeiten, etwas derart Neues an den Mann/die Frau zu bringen, können Sie allein an der Existenz dieses Schreibens ersehen. Die Untersuchungen beziehen Standorte in Mitteleuropa von Südschweden bis zum Zentralmassiv und den Alpen ein. Alle Standorte sind mit Koordinaten dokumentiert, für jeden der wirklich interessiert ist, nachvollziehbar (die Daten werde ich nach Publikation ins Netz stellen). Die geologischen Daten stammen überwiegend von anderen Bearbeitern, in der Eifel sind es z.T. eigene Ergebnisse.

Untersucht wurden:
Eine alte Kontinentgrenze, an der Teile von Nordeuropa und Mitteleuropa gegeneinander bewegt wurden (Tornquist-Zone). Sie verläuft durch Norddänemark und Südschweden bis Bornholm. Ergebnis: u.a. größte gefundene Nester (> 2 Meter Höhe), größte Anzahl auf dichtestem Raum, inmitten sehr dichter alter Nadelholzwälder (kaum Lichteinfall), Bautenhöhe in strenger Korrelation zum Angriff des Windes, in Dänemark Nestreihen vom alten Kiefernwald über die Buschzone bis in die Krautzone der Nordseedünen.

Nordseeinsel Amrum, Wesenberg in Mecklenburg-Vorpommern - Besonderheit: Störungsausbildung des Deckgebirges durch aufsteigendes Salz. Unregelmäßige Bruchflächenbildung, z.T. Cluster von Nestern (Wesenberg).

Hils-Mulde
Hessische Senke
Niederrheinische Bucht (Raesfeld-Erle, Kirchhellen-Dorsten)
Rheinisches Schiefergebirge (Schwerpunkt Mittelrhein)
Bayerischer Pfahl (> 160 km lange Quarzmauer entlang sehr alter Störungszone. Sie können die Hand auf die Grenze Nebengestein (Pfahlschiefer) Quarzmauer legen. Hier, und nur hier finden sie die Ameisennester.)
Schwarzwald (bilderbuchhafte Nestreihen durch alle Vegetationsformen)
Südrand der Vogesen (Übergang Oberrheingraben in den Bresse/Rhonegraben)
Hohenzollerngraben (hier konnte ich kürzlich ein Zusammentreffen von zwei beflügelten Ameisenschwärmen beobachten (eine rote und eine schwarze Art), die sich gegenseitig auf dem Schotterweg bekämpften, genau auf dem Kreuzungspunkt des Weges mit einer Störungszone GK 34 96352 / 53 54755, Ecke Wasserwerk westl. Burg Hohenzollern (die im angrenzenden Wald durch zwei Nester belegt war))
Alpen (Gran Paradiso), Nester entlang sichtbarer Störungen im anstehenden Fels
(Französisches Zentralmassiv - Auswertung muss noch erfolgen)

Die Datenlage ist derart eindeutig, dass es sich in allen beobachteten Fällen um keinen Zufall handeln kann. Im Gegenteil. Aus den bisher gewonnenen Erfahrungen ist es möglich, sehr verlässliche Vorhersagen über mögliche Standorte anzustellen. Ich habe es oft genug in mir unbekanntem Gelände vorgeführt. Vorausgesetzt, ich habe eine geologische Karte und Kenntnisse über die tektonische Aktivität (s.u.). Ich bin jederzeit bereit, dies in für mich neuen Gebieten zu demonstrieren. Durch die Kenntnis der Zusammenhänge zur Geologie finden wir Nester an Standorten, wo nie ein Ameisenforscher entsprechende Bauten vermuten würde (an z.T. abenteuerlichen Orten wie an Schlägelmäher-gemähten Straßenrändern, Privatgärten, im Hangschutt von Steilhängen, Kiesinseln inmitten von Hochgebirgsbächen, reinen Erdnestern in Windschneisen u.v.m.).

Was sind das für Störungen, auf denen die Nester angelegt werden?
Es gibt drei verschiedene Haupttypen tektonischer Störungen. 1. Die Abschiebung (im Mittel um die 60 Grad aus der Horizontalen geneigt), an der ein Krustenblock gegen einen anderen abwärts bewegt wird, 2. die Aufschiebung mit entgegen gesetzter Bewegungsrichtung (im Mittel flacher geneigt) und 3. die Seitenverschiebung, die im Mittel senkrecht (90°) steht aber auch vereinzelt 70° Neigung oder weniger haben kann. An letzterer werden die Krustenblöcke gegeneinander bewegt (wie zwei Umzugskartons, die auf dem Fußboden gegeneinander verschoben werden). Das heißt, durch die Bewegung der Blöcke gegeneinander bildet sich eine Bruchfläche aus. Durch leichte Krümmungen der gegeneinander bewegten Bruchflächen entstehen flache Hohlräume die für den Transport von Gasen und Flüssigkeiten aus der Tiefe (sie erreichen z.T. mehrer km Tiefe) genutzt werden. Aus den Flüssigkeiten und Gasen bilden sich Minerale, die nach einiger Zeit alles verstopfen, wie der Kalk in der Wasserleitung. Nur das neue Aufreißen, häufig durch kleinste Erdbeben signalisiert, öffnet erneut diese flächigen Hohlräume.
Es gibt Standorte, da gibt es keine Information über die Geologie bzw. Störungen im Untergrund. Dennoch treten hier Nester auf (s. Ihre Anmerkung). Wir haben hierfür die Möglichkeit, die Bodenluft in ca. 80 cm Tiefe zu entnehmen und mit einem Massenspektrometer auf Helium zu untersuchen. Helium in erhöhter Konzentration ist ein sicherer Hinweis auf eine tiefreichende Störungszone, weil es über die Wegsamkeiten aus der Tiefe aufsteigt und die Bodenluft anreichert. Es ist somit in erster Linie „nur“ eine Kartierhilfe für die Geologen. Es ist gut möglich, dass die Ameisen damit überhaupt nichts anfangen können. Wir haben an verschiedenen Standorten in unseren Messungen im Umfeld der Nester immer erhöhte Heliumwerte gefunden. Ausnahmen waren umgesiedelte Nester, die durch Drahtverbaue zu erkennen waren. Sie waren allerdings abgestorben. Die Ergebnisse haben uns viel Mut gemacht.


Die Geländeuntersuchungen zeigen eindeutig, dass die senkrecht stehenden Störungszonen für den Nestbau bevorzugt sind (nicht die Klüfte im Gestein, die nur eine kurze Erstreckung in die Tiefe haben). Störungen können sehr komplex sein. Sie variieren in der Breite, fächern auf oder kreuzen sich. An Kreuzungszonen oder aufgefächerten Störungen mit vielen Sekundärstörungen (Riedel shears) hört die lineare Verbreitung der Nester auf. Hier gibt es die viel beschriebenen Cluster, Gruppierungen von Nestern ohne linearen Zusammenhang. Besitzen die Störungszonen eine Neigung (z.B. 70°), verlaufen sie in morphologisch gegliedertem Gelände in gekrümmten Bahnen. Um diese Verhältnisse zu erkennen und richtig deuten zu können, benötigt man schon etwas Erfahrung in dreidimensionaler Vorstellung.

Es gibt sehr schöne Beispiele, wie eine Nesterreihe auf einen Teich (oder Bach) zuläuft, das letzte Nest im Verlandungsbereich gebaut ist (mit Grundwasser in wenigen Zentimetern Tiefe) und genau gegenüber am anderen Ufer im Verlandungsbereich wieder einsetzt. Das ist für mich das stärkste Faktum gegen Ihr Feuchtigkeitsargument. Ein Bezug von Standorten zu Seerändern oder Fließgewässern ist nirgends zu erkennen.
Gleichzeitig zeigt es, dass unsere erste Vermutung, dass aufsteigende höher temperierte Luft im Winter einen Vorteil für die Bauten bringt, nicht ausschlaggebend sein kann. Das funktioniert in Bereichen mit höher liegendem Grundwasser nicht. Mit Kollegen aus der Mikrobiologie haben wir mögliche Nutzung von Biofilmen in den Hohlräumen diskutiert und aus demselben Grund wieder verworfen. Als nächstes folgten Überlegungen zur Nutzung von Gasen, die durch das Grundwasser aufsteigen und Vorteile bringen könnten. Untersuchungen mit Geochemikern zur Gaschemie brachten erste interessante Ergebnisse. Wir haben in der Eifel einen Quarzgang (der eine Störungszone dokumentiert), der einen Forstweg quert und durch den Wegebau tief eingefräst ist. Auf den Höhen der steilen Flanken sitzt auf beiden Seiten je ein Ameisennest, genau auf dem Quarzgang. Wir werden hier direkt wenige Meter unter den Nestern Gasproben entnehmen und auf Spurengase analysieren. Vielleicht gibt es Komponenten, die die Tiere nutzen (z.B. Chlor-, Fluor- oder Bromverbindungen) oder für die sie sensitiv sind, d.h. dass sie sie zur Ortung der Nestgründung benötigen. Hierfür gibt es bereits Absprachen zu Untersuchungen mit Ihren Kollegen aus der Physiologie.

Aus meinen Kenntnissen zur Geophysik habe ich aber eine andere Arbeitshypothese! entwickelt, die mir sehr spannend erscheint. Als Biologe kennen Sie die Notwendigkeit der rhythmischen Steuerung biologischer Systeme. Neben der bekanntesten Tag-Nachtsteuerung gibt es lunare Zyklen, nach denen sich zahlreiche Tierarten vorwiegend in den Gezeitenbereichen richten. Die biologische Uhr kann aus dem Gleichgewicht kommen, deshalb benötigen diese Lebewesen immer einen Rhythmusgeber als Anstoß. Welchem Rhythmus gehorchen eigentlich die Stoffwechselvorgänge der Ameisen, die im Schwarzwald, den Alpen oder in anderen Regionen im Winter lange Zeit in der Tiefe leben, mit einer dicken Schneebedeckung, ohne Kontakt zur Tages/Nachtzeit und den Temperaturen draußen?

Herr Buschinger! Nehmen Sie eine Plastikflasche voll Wasser und stecken Sie einen Trinkhalm gut abgedichtet in den Deckel. Wenn Sie jetzt seitlich drücken, steigt das Wasser sehr hoch in dem Halm. Je kleiner der Durchmesser, desto höher der Aufstieg. Das gleiche passiert jeden Tag zwei Mal in der Tiefe der Kruste. Gespanntes, unter Druck stehendes Wasser wird in die winzigen Öffnungen der Störungsflächen gedrückt, durch Bewegungen der Erdkruste, die der Mond ihr aufzwingt, 2 Mal am Tag. Es sind die Erdgezeiten, durch die die Kruste ca. 30 Zentimeter vom Erdmittelpunkt weggezerrt wird und zurück sinkt. Das ganze verstärkt sich zu einem Maximum zur Vollmondzeit und Neumondzeit. Keine Science Fiction, das ist Geophysik. Mit dem Wasser werden Gase bewegt, die an der Oberfläche registriert werden können. An der Sensibilität der Ameisen hierfür habe ich keinen Zweifel. Ich vermute, dass es sich herausfinden lässt. Mit anderen Worten, hier liegt eine perfekte Zeitsteuerung vor. Warum sollte sie sich nicht nutzen lassen, z.B. für den Starschuss des gemeinsamen Ausschwärmens, aller benachbarten Nester einer größeren Region. Ein sinnvolles Muss für den Genaustausch.
Aber das sind Überlegungen, für die es ein hohes Maß an interdisziplinärer Forschung bedarf. Etwas, was man nicht mal so nebenbei anstoßen kann. Welcher Gutachter bei den Geldgebern kann das nachvollziehen? Und hiermit komme ich zu dem Roman.

Der Roman ist in erster Linie ein Geologieroman, zur Werbung für die Geowissenschaften und zur Verdeutlichung, dass dieser Zweig, in der Öffentlichkeit völlig unterrepräsentiert, eine enorme Bedeutung hat. Gleichzeitig soll er nachdenklich machen, dass wir uns längst nicht so sicher vor Naturkatastrophen sein können. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines nahen Vulkanausbruchs nicht sehr hoch ist, die Möglichkeit besteht. Da gibt es bei allen Kollegen keinen Zweifel. Darüber hinaus zeigt der Roman die komplexeren Zusammenhänge über die Ameisen auf, die ich oben teilweise geschildert habe. Sie leben direkt auf dem Kanal aus der Tiefe, wie der Storch auf dem Kamin. Sie merken es als erste, wenn sich die Gase von unten ändern (übrigens am Laacher See gibt es einen Campingplatz mit Badestrand).

Und noch ein Wort zu Erdbeben. Wie dargestellt, sind die beobachteten Ameisen die Tiergruppe, die am nächsten an seismisch aktiven Störungen leben. Im Gegensatz zu höheren Tieren (Vögeln, Hunden etc.) denen man eine Sensibilität für Erdbeben-Vorläuferphänomenen nachsagt, sind sie ortsfest und über technische System durchgehend beobachtbar. Ich könnte Ihnen jetzt eine Vorlesung über Phänomene im Vorfeld von Erdbeben halten. Ich halte nichts von Wetten aber ich habe einen gewissen Instinkt. Und der sagt mir, die müssen vor einem Erdbeben reagieren. Wir müssen es bloß erkennen und richtig deuten.

Wenn Sie das Buch einmal in den Händen halten sollten, schauen Sie wenigstens die letzte Textseite an. Hier ist ein Spendenaufruf für die Geowissenschaft platziert und deshalb ist es wünschenswert, dass es viele lesen. Das erhoffte Geld ist verplant für ein Monitoring von Ameisennestern. Schauen Sie nach Kalifornien an die berüchtigte San Andreas Störung. Dort leben Formica Arten in unmittelbarer Nähe.


Ihr etwas verärgerter
Ulrich Schreiber

PS: Ich gehe davon aus, dass Sie diese Gegendarstellung auch auf den weiteren Seiten veröffentlichen, wo Ihre Kritiken erschienen sind.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 05. Sep. 2006, 10:03 
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Beiträge: 1368
Wohnort: Reinheim
Sehr geehrter Herr Kollege Schreiber,

Vielen Dank für Ihre Beiträge im DASW-Forum und im Antstore-Forum. Ich hoffe, mich in der Beantwortung kürzer fassen zu können.

„Kollegen, von dem ich Unterstützung und fachlichen Beistand erhofft hatte“
- Leider haben Sie mich nicht kontaktiert, ich sah und sehe mich vor vollendete Tatsachen gestellt!

„es ist schon etwas bedauerlich, in welcher Form Sie mit Ihren kritischen Äußerungen auf den Markt gehen“
- Auch Ihre Art, mit wissenschaftlichen Ergebnissen „auf den Markt zu gehen“, ist nicht gerade die übliche: Die Datengrundlagen Ihrer Untersuchungen werden erst noch publiziert (Sonderdruck bzw. lieber noch PDF nehme ich dann gerne entgegen), woher sollte ich sie kennen?
Stattdessen lassen Sie Ihre Erkenntnisse durch die Medien vermitteln, deren freizügiger Umgang mit Fakten Ihnen gewiss nicht verborgen geblieben ist. Aber es sind die bisher einzigen Informationen über Ihre Mutmaßungen, die mir und anderen an Ameisen Interessierten zugänglich sind, so dass ich einzig diese beurteilen konnte.

Ein paar Anmerkungen zu Ihren Ausführungen:

-Koinzidenzen (hier Waldameisenhügel auf geologischen Störungszonen) beweisen keinen ursächlichen Zusammenhang. Das ist jedem Wissenschaftler geläufig.

„…größte Anzahl auf dichtestem Raum, inmitten sehr dichter alter Nadelholzwälder (kaum Lichteinfall), Bautenhöhe in strenger Korrelation zum Angriff des Windes“
- Riesennester in dichtem Nadelwald gibt es immer wieder, und die Höhe der Bauten hängt bekanntlich von der Besonnung ab (je weniger Licht, desto steiler und höher), sowie vom verfügbaren Baumaterial (kurze Nadeln z.B. von Fichte am günstigsten).

„Hohenzollerngraben (hier konnte ich kürzlich ein Zusammentreffen von zwei beflügelten Ameisenschwärmen beobachten (eine rote und eine schwarze Art), die sich gegenseitig auf dem Schotterweg bekämpften, genau auf dem Kreuzungspunkt des Weges mit einer Störungszone GK 34 96352 / 53 54755….“
- Ich gehe mal davon aus, dass Ihnen bekannt ist, dass fast alle Ameisenarten rein schwarze Männchen, sehr oft aber rote oder braune Weibchen (Jungköniginnen) haben. „Beflügelte Ameisenschwärme“ bestehen aus Geschlechtstieren, die sich zum Zweck der Paarung zusammenfinden. Sie bekämpfen sich niemals; die hatten anderes im Sinn! Das Gerangel von oft vielen Männchen um ein Weibchen sieht manchmal auch recht heftig aus.

„….Nester an Standorten, wo nie ein Ameisenforscher entsprechende Bauten vermuten würde (an z.T. abenteuerlichen Orten wie an Schlägelmäher-gemähten Straßenrändern,..“
- Auch solche Neststandorte sind den Myrmekologen wohlbekannt.

„…reinen Erdnestern in Windschneisen…“
- Sind Sie sicher, dass es sich dabei um Waldameisen gehandelt hat? Reine Erdnester sind typisch für eine Reihe von Lasius-Arten, und die können fast ebenso hoch wie kleinere Waldameisennester werden.

- Überhaupt vermisse ich jeglichen Hinweis darauf, dass Sie zwischen den verschiedenen Ameisenarten in irgendeiner Weise differenzieren. Es sollte Ihnen doch bekannt sein, dass es in Deutschland nicht nur mehrere Arten der Hügel bauenden Waldameisen im engeren Sinne gibt (Untergattung Formica), sondern auch die ebenfalls Hügel bauenden (ebenfalls aus Pflanzenresten) der Untergattung Coptoformica, sowie die in geringerem Umfang Hügel bauende Formica (Raptiformica) sanguinea und mehrere Arten der Untergattung Serviformica, die Erdnester bewohnen und keine Hügel bauen. Hinzu kommen unter den rund 110 in Deutschland lebenden Ameisenarten welche, die in toten Baumstämmen, in Felsmauern, oder in toten Ästen hoch oben in den Baumkronen nisten.

„Wir haben an verschiedenen Standorten in unseren Messungen im Umfeld der Nester immer erhöhte Heliumwerte gefunden. Ausnahmen waren umgesiedelte Nester, die durch Drahtverbaue zu erkennen waren. Sie waren allerdings abgestorben“
- Durch eine kleine Anfrage an die DASW hätten Sie leicht ermitteln können, dass in sehr großem Umfang auch Naturnester mit Drahtschutzhauben versehen wurden. Das ist also kein Hinweis auf umgesiedelte Nester. Zudem werden seit mindestens 10 Jahren praktisch keine Schutzhauben mehr aufgestellt. Völker wandern in so langer Zeit ab oder können auch aus natürlichen Gründen absterben.

- Mir fällt auf, dass Sie in starkem Maße die Messung von Helium betonen, so in dem von mir zitierten Medientext: "Wir können erst mal nur das Helium messen", sagt Schreiber,“
- Als Geologe haben Sie ebenso wie ich als Biologe Chemie studiert. Sie wissen also, dass das Edelgas Helium völlig inert ist, keinerlei chemische Bindungen eingeht. Das heißt aber auch, dass die Ameisen dieses Gas ganz bestimmt nicht irgendwie physiologisch verwerten können und sehr wahrscheinlich mit ihren Chemorezeptoren nicht mal wahrnehmen. Auch wenn Sie in Ihrem jetzigen Beitrag dies relativieren und auf begleitende Halogenverbindungen verweisen: Bei Laien wurde und wird der Eindruck erweckt, dass Helium für die Ameisen eine Bedeutung haben könnte. So etwas sollte man erst beweisen, und danach veröffentlichen!

„Es sind die Erdgezeiten, durch die die Kruste ca. 30 Zentimeter vom Erdmittelpunkt weggezerrt wird und zurück sinkt. Das ganze verstärkt sich zu einem Maximum zur Vollmondzeit und Neumondzeit. Keine Science Fiction, das ist Geophysik. Mit dem Wasser werden Gase bewegt, die an der Oberfläche registriert werden können. An der Sensibilität der Ameisen hierfür habe ich keinen Zweifel.“
- Ihr Bild mit der Wasserflasche in allen Ehren. Erdgezeiten sind Allgemeinbildung, mir bekannt. Nicht verständlich wird daraus, weshalb da täglich zweimal Gase aufsteigen sollen.
Nehmen Sie als Beispiel ein Tischtuch: Heben Sie es in der Mitte an, so strömt Luft durch das Gewebe ein; lassen Sie das Tuch sinken, strömt sie wieder aus. Was aber, wenn eine Kraft gleich den ganzen Tisch mit anhebt? Da wird sich wenig tun! Und ebenso wird durch die Schwerkraft des Mondes nicht irgendeine oberflächliche Schicht der Erde, die Kruste oder was auch immer, angehoben und wieder abgesenkt, sondern praktisch der gesamte Erdball verformt. Die Elastizität von Gesteinen und Sedimenten sollte hoch genug sein, angesichts der riesigen Dimensionen, um die 30 cm Anhebung bedeutungslos zu machen. Aber hier sind Sie der Fachmann.

„Der Roman ist in erster Linie ein Geologieroman, zur Werbung für die Geowissenschaften und zur Verdeutlichung, dass dieser Zweig, in der Öffentlichkeit völlig unterrepräsentiert, eine enorme Bedeutung hat. Gleichzeitig soll er nachdenklich machen, dass wir uns längst nicht so sicher vor Naturkatastrophen sein können. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines nahen Vulkanausbruchs nicht sehr hoch ist, die Möglichkeit besteht.“
- Was ist nun Ihr Roman eigentlich? Science Fiction, wie in verschiedenen Rezensionen dargelegt, oder ernst zu nehmende Wissenschaft?
Ich halte es jedenfalls nicht für angebracht, hier in Deutschland Ängste vor einem Vulkanausbruch zu schüren, was Sie bei dem leider geringen Bildungsstand vieler Bürger aber unausweichlich tun. Da kommen mir Vesuv und Neapel, Ätna und die vielen an dessen Hängen siedelnden Menschen (und Ameisen!!!!), Tokio mit dem Fudschijama und die zahllosen dicht besiedelten Vulkaninseln des pazifischen Feuergürtels doch sehr viel riskanter vor!

„Ich halte nichts von Wetten aber ich habe einen gewissen Instinkt. Und der sagt mir, die müssen vor einem Erdbeben reagieren. Wir müssen es bloß erkennen und richtig deuten.“
- Die belebte Natur arbeitet immer möglichst wirtschaftlich. Frage: Was sollte den Waldameisen ein „Frühwarnsystem“ für Erdbeben oder Vulkanausbruch nützen? Welchen Selektionsvorteil hätten sie daraus? – Im Ernstfall können sie ein paar Meter, vielleicht 1-200 Meter abwandern. Vulkanische Ereignisse sind nach meinen Informationen doch so ausgedehnt, dass für derart schwer bewegliche Organismen das Entkommen deutlich weniger wahrscheinlich ist als für flugfähige Vögel. Und wenn sie doch nicht entkommen, können sie auch keine Nachkommen mit übersinnlichen Fähigkeiten mehr produzieren.

So, jetzt ist das doch recht viel geworden. Aber ich schätze es, wenn man solche wissenschaftlichen Diskrepanzen wenigstens einigermaßen öffentlich, in einem Forum, diskutieren kann. Mit Briefen oder e-mails erreicht man immer nur den einen Partner. Auf den meisten Kongressen ist man auf 10 oder 15 Minuten Vortrag und 5 Minuten Diskussion eingeschränkt, sie haben ihre ursprüngliche Funktion weitestgehend eingebüßt (auch wenn man danach manchmal im kleinen Kreis weiter debattieren kann). Die früher oft erfrischende Polemik in Fachzeitschriften ist weitgehend verboten; wo noch Erwiderungen abgedruckt werden, werden sie von den Herausgebern rigoros gefiltert bis kastriert.

Ich wünschte mir echte Wissenschaftler-Foren. Die würden vielleicht die Veröffentlichung so manchen wissenschaftlichen Irrtums verhindern können! (Das ist jetzt ganz allgemein, nicht persönlich und auf diesen Fall bezogen).

Mit freundlichen Grüßen,

A. Buschinger


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BeitragVerfasst: 05. Sep. 2006, 12:22 
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Lieber Herr Buschinger,

ehrlich gesagt freue ich mich über Ihre Antwort, besonders über die letzten Zeilen zur wissenschaftlichen Diskussion. Und das ist ein Ansinnen des, ich gebe zu, etwas unüblichen Verfahrens, mit einem Roman an die Öffentlichkeit zu gehen. Die geologischen Grundlagen hierzu sind übrigens keine Science Fiction sondern Fakten und Ergebnisse international publizierter Untersuchungen. Hinzu kommen die von uns jetzt diskutierten neuen Beobachtungen mit den Ameisen, die allerdings einen sehr kleinen Raum einnehmen und mehr im übertragenen Sinn (die Menschen müssen aus den überfluteten Regionen fliehen) zu sehen sind. Ein Roman bietet gewisse Freiheiten, die man dazu Nutzen kann, Überlegungen anzustoßen, die viel umfassender sind und nicht so leicht durch wissenschaftliche Untersuchungen bearbeitet werden können.

Es freut mich ebenso, dass ich endlich meine vielen Fragen, die sich im Laufe der Geländebearbeitung ergeben habe, mit einem Spezialisten, zumindest erst einmal auf diesem Weg, diskutieren kann.

Einige Kleinigkeiten vorweg:
-- Leider haben Sie mich nicht kontaktiert, ich sah und sehe mich vor vollendete Tatsachen gestellt!-
Hierzu aus Ihrer ersten Ausführung:
-- Meine Erklärung (die Herr Schreiber auch von mir erfahren hat): …--
Hatten Sie die E-mails gelöscht?

Meine Ergebnisse wurden z.T. bereits auf, allerdings geologischen, Fachtagungen vorgestellt.

Und jetzt zur Thematik:

Koinzidenzen: Würden Sie in dem Auftreten von Köcherfliegenlarven und der Existenz von Fließgewässern keinen ursächlichen Zusammenhang sehen?

Bei den beflügelten Ameisenschwärmen waren die roten zahlenmäßig unterlegen, die schwarzen trugen etliche tote rote Individuen herum. Möglich, dass diese durch etwas anderes getötet wurden (Fahrzeug auf dem Feldweg).

Wind: Ich kenne inzwischen sehr große Bauten mit guter Besonnung, die aber windgeschützt liegen. Den Einfluss des Windes ist meiner Meinung nach unterschätzt. Die Energieleistung einer Ameise, die bei Wind eine Tannennadel transportiert ist ungleich höher als bei Windstille. Eine hohe Kuppel bei großer Windlast hat keine lange Überlebensdauer.

Erdnester in Windschneisen haben wir (und hier wäre fachliche Unterstützung sehr hilfreich) zu den Waldameisen zuordnen können, weil sie über Ameisenstraßen in direktem Kontakt mit großen Nestern im benachbarten Waldstück standen.

Als Geologe habe ich mich anfänglich nur auf die sichtbaren großen Waldameisennester stützen können. Inzwischen bearbeiten wir im Hunsrück ein großes Gebiet von mehreren Quadratkilometern, in dem flächendeckend Nester kartiert und die Arten von einer Mitarbeiterin bestimmt werden. Parallel hierzu finden die geologischen Untersuchungen inklusive Heliummessungen statt. Die Ergebnisse sind sehr interessant und werden im Sept. in Potsdam auf der GV-Tagung präsentiert.

Drahthauben: Ich wollte nicht zu weit ausholen, weil die Sache mit den Drahthauben noch veröffentlicht wird. Wir haben in einem Gebiet Informationen von einem Ameisenwart bekommen, der etliche Nester in den 70er und 80er Jahren angesiedelt und sowohl diese als auch bereits bestehende mit Drahthauben versehen hatte. Das spannende war dort, dass auf einer perlschnurartigen Reihe einige Nester mit Drahthauben vorkommen, die eindeutig eine Heliumanomalie besitzen. Hier war reges Leben zu beobachten. Die anderen außerhalb dieser Reihe, beliebig im Wald verteilt (umgesiedelt mit Drahtgittern), waren tot. Hier gab es keine Heliumanomalie.
Sie können vielleicht meine Begeisterung über diese Messungen nachvollziehen.

Helium: Sicher, Helium ist inert. Von den Physiologen weiß ich aber, dass eine höhere Heliumkonzentration den Sauerstofftransport in der Hämolymphe, der Körperflüssigkeit, erhöht. Die Konzentrationen in der Bodenluft über Störungen sind aber viel zu gering, sodass sie keinen Einfluss haben können. Ich betone, Helium spielt in der ganzen Diskussion nur eine Rolle als Kartierhilfe zur Bestätigung der Existenz von Störungen.

Erdgezeiten: Die Effekte der Erdgezeiten (2 mal täglich wie Meeresgezeiten) sind in der beschriebenen Weise von Geophysikern in Brunnenbohrungen gemessen (z.B. Lit. von Kümpel, G.-H., GGA-Inst. Hannover).

Zum Nutzen einer Früherkennung von Erdbeben: Mit dem Physiologen Kestler, Osnabrück, habe ich viele Fragen bezüglich möglicher Zusammenhänge von Ameisenstandorten auf Störungen diskutiert. Er registrierte in seinen Untersuchungen an Küchenschaben, dass sie eine ausgesprochene Sensibilität für Erdbeben-Vorläuferphänomene besitzen. Ein möglicher Nutzen wäre hier zu diskutieren. Bei den Ameisen kann es aber sehr wichtig sein, das Nest in der Tiefe zu räumen. Erdbeben bringen Verschiebungen der Spalten in der Kruste mit sich und somit ändern sich die Wegsamkeiten von Flüssigkeiten und Gasen. Nicht selten werden gleichzeitig Gase verstärkt freigesetzt, die zur Oberfläche aufsteigen. Eine erhöhte Kohlendioxid- oder vielleicht auch Methan- oder Schwefeldioxid- Konzentration könnte den Standort vernichten. Ein rechtzeitiges Ausweichen der Ameisen an die Oberfläche wäre daher überlebenswichtig. Kennen Sie den Zeitpunkt des bisher ungeklärten Absterbens der großen Kolonie in Langendernbach im Schiefergebirge? Leider kann die Forst hierzu keine Auskunft mehr geben. Ich würde gern die Erdbebenaktivität dieser Zeit in diesem Raum überprüfen (es gibt Kataloge, in denen alle Erdbeben verzeichnet sind).

Vielleicht ergibt sich einmal eine gemeinsame Exkursion.

Mit besten Grüßen
Ulrich Schreiber


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BeitragVerfasst: 07. Sep. 2006, 10:24 
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Registriert: 26. Apr. 2004, 10:34
Beiträge: 1368
Wohnort: Reinheim
Sehr geehrter Herr Schreiber,

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Dazu möchte ich noch ein paar kurze Bemerkungen machen.
Zitat:
Meine Erklärung (die Herr Schreiber auch von mir erfahren hat): …-- Hatten Sie die E-mails gelöscht?
- Ich hatte etwas in Erinnerung von einem früheren Kontakt. Dann schrieben Sie aber:
Zitat:
…Kollegen, von dem ich Unterstützung und fachlichen Beistand erhofft hatte“
- Leider haben Sie mich nicht kontaktiert, ich sah und sehe mich vor vollendete Tatsachen gestellt!
Das hat mich verunsichert. E-mails habe ich bestimmt gelöscht, und einige Ausdrucke sind bei meinem Umzug in den Ruhestand (Sept. 2004) wohl im „Unerledigten“ gelandet. Jedenfalls habe ich nichts Passendes in meinen Ablage-Ordnern gefunden. Nachdem Sie aber Paul Kestler ins Spiel gebracht haben, kam ich doch wieder auf meine Erinnerungen zurück. (Kestler hat gleichzeitig mit mir in Würzburg an der Dissertation gearbeitet. Wir kennen uns also sehr gut).
Danach hatte ich Ihren (seinen?) Gedanken an aufsteigende Warmluft als Ursache für die Standorte der Ameisennester in Zweifel gezogen, weil die Ameisen im Winter nichts weniger brauchen als Wärme. Für wechselwarme Tiere bedeutet Wärme = Stoffwechsel und Reservestoff-Verbrauch, der im Winter nicht durch eingetragene Nahrung ausgeglichen werden kann.
Zitat:
Koinzidenzen: Würden Sie in dem Auftreten von Köcherfliegenlarven und der Existenz von Fließgewässern keinen ursächlichen Zusammenhang sehen?
- Ein etwas triviales Beispiel. Aber wissen Sie, dass es landlebende Köcherfliegenlarven gibt? Gattung Enoicyla z.B.? - Mir ist noch immer nicht klar, wie Sie die häufigen Vorkommen von Waldameisen etwa in den Wäldern des Oberrheingrabens interpretieren wollen: Bis zu 3.000 m mächtige Sedimente, weitgehend grundwassergesättigt, aus tieferen Schichten hat man Erdöl gefördert, usw.. Da sind doch austretende Gase ziemlich abgesperrt, oder sie kommen so diffus an die Oberfläche, dass Waldameisen eben „überall“ nisten können.
Zitat:
Erdnester in Windschneisen haben wir (und hier wäre fachliche Unterstützung sehr hilfreich) zu den Waldameisen zuordnen können, weil sie über Ameisenstraßen in direktem Kontakt mit großen Nestern im benachbarten Waldstück standen.
- Es ist sehr bedauerlich, dass aus der DASW niemand bisher dazu Stellung bezogen hat. Wir haben zahlreiche Leute im Verband, die sehr viel mehr Waldameisennester gesehen, bestimmt, zum Teil umgesiedelt haben als ich selbst. Ich hoffe, dass sich vielleicht doch noch jemand dazu aufgerufen fühlt, hier zu kommenteiren!
Zitat:
„Drahthauben“:
Ja, ohne Ihre Zusatzinformation konnte ich das aus Ihrem ersten Text nicht erahnen. – Wie weit haben Sie sich denn aus der DASW informieren lassen? Schließlich ist das Kartieren von Ameisen-Vorkommen (mit GPS!) zurzeit eine der wichtigsten Tätigkeiten der Ameisenschutzwarten.
Zitat:
Erdgezeiten:
Eine Frage, bei der ich selbst etwas Vorstellungs-Probleme habe:
Der Mond läuft ja mit nur geringer Neigung zur Erdumlaufbahn, relativ nahe über den Äquator und m.o.w. zwischen den Wendekreisen (ist jetzt sehr laienhaft ausgedrückt!). Die Schwerkraft des Mondes muss aber senkrecht auf die Erdoberfläche am stärksten wirken. Die Verformung der Erde müsste also in dem genannten Bereich am stärksten wirksam sein. In höheren Breiten wirkt die „Anziehung“ des Mondes zunehmend tangential, also schräg zur Erdoberfläche bis praktisch parallel zu dieser in sehr hohen Breiten.
Da sollte der „Anhebungseffekt“ für die Oberfläche deutlich geringer sein, und Grund- oder Höhlenwasser-Verschiebungen sollten weniger senkrecht zur Erdoberfläche als entsprechend schräg dazu verlaufen. Sicher gibt es dazu Erkenntnisse.
Waldameisen gibt es aber nun gerade nicht in den Bereichen mit der stärksten Auswirkung der Mondanziehung. Sie fehlen definitiv innerhalb der Tropen und Subtropen. In Eurasien sind sie am häufigsten in nördlichen Breiten, Skandinavien, bis zum Polarkreis!
Nebenbei: Sie erwähnten in Ihrem ersten Beitrag am Ende:
Zitat:
Schauen Sie nach Kalifornien an die berüchtigte San Andreas Störung. Dort leben Formica Arten in unmittelbarer Nähe.
Es ist richtig, dass es in Nordamerika viele Arten der Gattung Formica gibt. Bis heute wird dort die Unterteilung in die Untergattungen Formica und Serviformica nicht voll akzeptiert. Es handelt sich aber zumeist um Arten, die man bei uns als Serviformica einstufen würde, und im weitgehend „mediterranen“ Kalifornien sind das eben solche Arten, die keine auffälligen Nesthügel bilden. In den Rocky Mountains von Kanada und den USA kommen Arten vor, die zumindest kleinere Nesthügel aus Nadelmaterial bilden, aber NIEMALS solche Nester, wie sie bei uns die „echten“ Waldameisen charakterisieren. – Noch die „besten“ Hügelnester habe ich im Yellowstone-Park gesehen, von Formica obscuripes, auf ca. 2.200 m und eben auf der Fläche der Caldera (Sie werden das als Bestätigung Ihrer Hypothese werten).

- Ihre Beobachtung der sich bekämpfenden geflügelten Ameisenarten und auch die Beobachtung der „reinen Erdnester in Windschneisen“ werden sich nachträglich nicht mehr erklären lassen. Geflügelte Ameisen kämpfen nun mal nicht, das tun nur Arbeiterinnen, und falls die schwarzen Geflügelten Männchen waren, so können die auch keine Toten umhergetragen haben. – In so einem Fall empfiehlt es sich halt, ein paar der Tiere in Alkohol zu legen und einem Ameisenkenner zur Bestimmung zu geben.

So viel für heute, und @ all: Ich würde mich über Kommentare anderer User und DASW-Mitglieder freuen!

MfG,
A. Buschinger


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BeitragVerfasst: 07. Sep. 2006, 18:04 
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Sehr geehrter Herr Buschinger,
vielen Dank für die Hinweise und die Diskussionsbeiträge. Zum Oberrheingraben und allen anderen Sedimentationsräumen gibt es eine klare Aussage, sobald Sediment abgelagert ist, setzen Kompaktion und Umlagerungsprozesse durch Lösen und Kristallisieren aus Lösungen ein, die das Material verfestigen. Der Druck in einer 3000 Meter mächtigen Sedimentsäule ist so hoch, dass sie ein festes Material mit zunehmender Tiefe bekommen, das genau so von Trennflächen durchzogen wird, wie ein normales Gestein. Selbst in Kiesgruben können Sie häufig Zonen finden, die durch Störungen aus der Tiefe beeinflusst sind und bevorzugte Mineralanreicherungen zeigen. Allerdings finden wir in der Niederrheinischen Bucht in Regionen mit sehr mächtiger Lockersedimentunterlage selten Nester, was Ihrer Überlegung entspricht. Der Oberrheingraben ist sehr stark in Schollen gegliedert, dessen Ränder manchmal dicht unter der Oberfläche nur gering überdeckt sind. Man müsste hier einmal die Standorte zuordnen.

Zum Mond. Sie haben Recht, dass die Anziehungskräfte des Mondes am Äquator am stärksten wirken. Im Vergleich mit dem Auftreten der hügelbauenden Arten in den nördlicheren Regionen ist das sehr interessant. Bezogen auf meine Arbeitshypothese bedeutet dies, dass die klimatischen Bedingungen in den Tropen und Subtropen es nicht notwendig machen, einen alternativen Rhythmusgeber zu nutzen. Es steht ganzjährig die Information aus den Tageszeiten zur Verfügung. Eine lange Überwinterungsphase „Untertage“ fällt hier weg. Für letztere wäre aber ein Trigger erforderlich.

Hinsichtlich der Arten in Kalifornien wäre zu überprüfen, ob es auch hier einen direkten Zusammenhang zwischen Nestern und Störungen gibt, wie ich nur aus der Ferne aus Daten im Internet und Vergleich mit geologischen Karten gefolgert habe. Dies ist entwicklungsgeschichtlich interessant, wenn diese Eigenschaft sowohl in Amerika als auch in Eurasien ausgeprägt ist. Die Trennung Europa/Amerika durch plattentektonische Prozesse geschah vor mehr als 60 Mio Jahren. Das würde bedeuten, dass die beobachtete Beziehung ´Nester auf Störungen` noch älter ist. Sollte es Arten geben, die wie in Mitteleuropa beobachtet, exakt auf gaspermeablen Störungen liegen (vielleicht nur als reliktische Eigenschaft der Evolution, die in Kalifornien gar nicht mehr überlebensnotwendig ist), wären sie natürlich die erste Adresse für eine Überwachung.
Mit Gruß
Ulrich Schreiber


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BeitragVerfasst: 12. Sep. 2006, 18:55 
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Sehr geehrter Herr Schreiber,

Hatte etwas wenig Zeit, und werde dank DASW-Jahreshauptversammlung und anschließender Auslandsreise in den nächsten Wochen noch weniger dazu kommen, in den Foren zu posten.
Es liegt mir aber doch daran, den derzeitigen Stand der Diskussion etwas zu „sortieren“. Ich versuche es mal so: Sie haben m.E. eine Reihe von Hypothesen aufgestellt, zu denen ich einige Gegenargumente habe. Hypothesen müssen verifiziert oder widerlegt werden, Argumente stehen natürlich ebenfalls offen für Bestätigung oder widersprechende Argumente (das ist nur so formuliert für evtl. Leser, die mit wissenschaftlicher Vorgehensweise weniger vertraut sind) .

1. Hypothese: An geologischen Störungen (aller Art und „Tiefe“?) gelangen Gase an die Oberfläche.
- Diese Hypothese ist durch Messungen und Bestimmung der austretenden Gase zu verifizieren (wo nicht zumindest in Teilen bereits bekannt).

2. Hypothese: Ameisen (nur Waldameisen? Ggf. welche Arten?) nehmen „etwas“ wahr, was in diesen Gasen enthalten ist.
- Dies lässt sich durch entsprechende Experimente verifizieren. Wichtig ist dabei, eine Experimentalsituation zu entwickeln, in der die Ameisen eine auch im Sinne der folgenden Hypothesen erklärliche, messbare Reaktion zeigen. (In dem Beitrag zum Film war die Rede davon, dass die Ameisen nach Einleitung eines Gases, Helium?, „ruhig“ wurden. Das ist etwas anderes als eine Fluchtreaktion. Dies nur um zu verdeutlichen, was ich meine).

3. Hypothese: Die „Ameisen“ (Frage wiederum: welche?) reagieren auf die aufsteigenden Gase in gleicher Weise, egal, ob diese aus Alluvionen, jungen oder alten Sedimentgesteinen wie Kalken, Buntsandstein, Urgesteinen, jungen Vulkaniten, … aufsteigen.
- Das müsste durch zahlreiche vergleichende Messungen und Experimente bestätigt oder widerlegt werden. Sind die Gase identisch? Wenn nicht: Gibte es gemeinsame Komponenten?

4. Hypothese: Ameisen „spüren“ Anzeichen bevorstehender Erdbeben oder Vulkanausbrüche anhand dieser Ausgasungen. Sie reagieren mit Flucht an die Oberfläche.
- Ist schwer nachzuweisen, da wir nicht/kaum in der Lage sind, solche Störungen vorherzusagen. Hat man aus # 2 und 3 die entscheidenden Komponenten der austretenden Gase bestimmt, könnte man diese entsprechend vorsichtig basal in Waldameisennester einleiten und die Reaktion beobachten (natürlich immer mit Kontrollversuchen: Einleitung anderer Gase).
- Obwohl wir in vielen Teilen Deutschlands recht häufig kleinere (nur mit Seismometer erfassbare) und spürbare leichte Erdbeben haben, kenne ich keine Berichte über Ameisen, die vor einem solchen Erdbebchen ihre Nester verlassen hätten.

5.) Hypothese: Ameisen (welche Arten?) nehmen die täglichen vertikalen Gasbewegungen wahr, die durch die „Erdgezeiten“ (Mondeinwirkung) verursacht werden, und die an geologischen Störungen besonders ausgeprägt auftreten.
- Die Frage ist, Was daran für die Ameisen von Vorteil sein könnte?

6.) Hypothese: Die Ameisen (wiederum: welche?) nutzen die mit den Erdgezeiten verbundenen Unterschiede der vertikalen Gasströme als „Zeitgeber“.
- Dagegen spricht, dass es bei Waldameisen (über andere Gruppen schreibe ich jetzt nichts, das würde zu weit führen) oben in den Nestkuppeln auch im kältesten Winter IMMER ein paar Tiere gibt, die im „Frühjahr“, d.h. bei einer längerfristigen Erwärmung, als erste „erwachen“ , sich an der Oberfläche sonnen und dann in die Nesttiefe gehen um Nestgenossinnen „aufzuwecken“, zur Sonnung zu rekrutieren. Zahllose Beobachtungen liegen vor, wonach dies manchmal bereits Ende Januar/ Anfang Februar erfolgt, manchmal auch erst Ende März. Der Witterungsverlauf in verschiedenen Jahren ist bekanntlich bei uns äußerst variabel. In demselben Waldbestand können Völker am südexponierten Waldrand Wochen früher „aufwachen“ als im Bestandesinneren, obwohl doch alle in völlig gleicher Weise den Erdgezeiten unterliegen.

7.) Hypothese: Ameisen suchen aktiv solche geologischen Störungen auf.
- Weshalb? Welche wichtigen Vorteile haben sie, wenn sie die in den meisten Fällen wohl belanglosen Änderungen im Gasstrom registrieren können, dass sie deshalb andere wesentliche Lebensgrundlagen (Futterversorgung, Wasserversorgung, Nestbesonnung, Baumaterial und Nestuntergrund) „für weniger wichtig halten“?
- In welcher Form reagieren Ameisenköniginnen bzw. Völker auf die Nähe der geologischen Anomalien? Gerade bei Waldameisen gibt es keine einzelnen Königinnen, die nach der Paarung selbständig und alleine ein Volk gründen. Die könnten so lange am Boden laufen und Spurengase prüfen, bis sie eine Störung gefunden haben. Aber das geht nicht so bei Waldameisen: Eine junge Königin, z.B. von Formica rufa, gründet ihre Kolonie sozialparasitisch in einem Nest von Formica (Serviformica) fusca (deshalb auch meine Fragen betr. Arten, für die Sie Bevorzugung von geologischen Störungszonen postulieren). Die Alternative ist, dass eine solche junge Königin in einem Nest der eigenen Art Aufnahme findet (gerade bei den hügelbauenden Waldameisen der häufigste Fall!). Durch Ablegerbildung von großen Nestern mit vielen Königinnen kommt es dann zu den auch von Ihnen beobachteten „Clustern“.
Innerhalb oder am Rande eines derartigen Clusters kommt es immer wieder zu Nestverlagerungen. Das heißt, dass ganze Völker in einem längerfristigen Umzugsprozess den Neststandort wechseln (auch ein Grund für „tote“, oft eher „verlassene“ Nester unter Schutzhauben). Das geht über beträchtliche Distanzen von bis zu 50 oder 100 Metern. Bei dieser Gelegenheit könnten die Tiere auf „Störungszonen“ zuwandern. Aber warum irgendwann, warum nicht gleich zum Zeitpunkt der Ansiedlung? – Hier sehe ich Schwierigkeiten für eine Beantwortung.

So, mehr fällt mir im Moment nicht ein. Aber vielleicht können Sie ja einige meiner Einwände entkräften.

Mf G,
A. Buschinger


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BeitragVerfasst: 15. Sep. 2006, 10:55 
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Sehr geehrter Herr Buschinger,
auch ich werde in nächster Zeit nicht sehr schnell antworten können, es stehen zu viele Termine an.
Aber noch einige Ergänzungen zu Ihren Punkten.

Zu 1.: Der Zusammenhang von Störungen und Gasführung wird dort besonders deutlich, wo Mikrobeben die Störungsflächen nachweisen und mit jedem Beben die Wegsamkeit von Gasen aufrechterhalten (Aufreißen von mineralisierten Flächen). Wir können in jedem einzelnen Fall den Test auf Gasführung untersuchen. Die Art der Störung ist normalerweise die Seitenverschiebung, nahezu senkrecht stehend, in große Tiefe reichend. Besonderheiten treten an Abschiebungen, die in Verbindung mit Seitenverschiebungen stehen, sowie an Dachpartien von Salzstöcken auf.

Zu 2. und 3.: In der Eifel gibt es einen sehr günstigen Aufschluss eines Störungsanschnittes, mit Nestern von F. polyctena oder rufa (wird gerade untersucht). Hier werden wir über Bohrungen in diese Störung hinein eine Entnahmestelle für Gase einbauen. Über ein Septum können hier in Zukunft beliebig oft Proben genommen werden. Spannend wird die Frage nach der Zusammensetzung der Spurengase. Wir errichten in einem völlig anderen geol. Umfeld eine zweite Gasentnahmestelle. Vergleiche der dort analysierten Spurengase sollten, wenn sich ähnliche Komponenten finden, Hinweise auf mögliche, für Ameisen wahrnehmbare Gaskomponenten geben. Über physiologische Experimente mit der betreffenden Ameisenart sollten sich Reaktionen bei Zufuhr von diesem Gas (oder entsprechend hergestellten Spurengasen) nachweisen lassen, sofern die Hypothese richtig ist.

Zu 4.: Für Felduntersuchungen bezgl. Erdbeben wäre als erstes eine Region auszuwählen, in der sehr häufig kleine und mittlere Erdbeben auftreten. Ideal wäre m.E. Kalifornien mit bestimmten Gebieten entlang der San-Andreas Störung. Dort gibt es genügend geologische Untersuchungen mit deren Hilfe aktive Randstörungen (Sekundärstörungen) gefunden werden können. Es bedarf dann der Funde von Formica-Arten, die direkt auf der Störung sitzen und entsprechender Kontrolle durch Heliummessungen. Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, macht es Sinn, Langzeitbeobachtungen durchzuführen. Da es unwahrscheinlich ist, dass gerade kurz vor einem Beben ein Beobachter vor Ort ist, müssen hierfür technische Überwachungssysteme installiert werden (Kamerasysteme, deren Filmaufnahmen nach Beben ausgewertet werden können). Ideal wären mehre Beobachtungsstationen dieser Art, um Beziehungen der Entfernungen von Bebenherden mit einfließen lassen zu können.

Zu 5.: Wenn die Ameisen eine entsprechend sensible Wahrnehmung für die „hypothetischen“ Spurengase besitzen (von verschiedenen Insekten ist die Wahrnehmung einzelner Duftmoleküle bekannt) haben sie einen sehr genauen Taktgeber für ihre biologische Uhr. Ein Effekt, der in der Biologie einen hohen Wert hat.

Zu 6.: Nach meinem Kenntnisstand werden biologische Uhren häufig von mehren Faktoren gesteuert bzw. beeinflusst. Es gibt die Tag/Nacht-Rhythmen, Tageslänge u.a. und doch wäre es z.B. für Pflanzen nicht sinnvoll, sich genau auf ein Datum für den Beginn der Blüte festzulegen. Das bedeutet, die Rhythmen öffnen bestimmte Zeitfenster, in denen dann verstärkt andere Prozesse wie Temperatur oder Feuchtigkeit greifen. Das Grundmuster (im Jahresrhythmus) bleibt aber erhalten und bietet die Basis.
Ähnlich stelle ich es mir für die Ameisen vor. Der „geo-lunare“ Rhythmus bietet ein sehr genaues Grundmuster (besonders, wie beschrieben, im Winter), das in der Aktivitätsphase von z.B. Wetterbedingungen überlagert ist. Da die Wetterbedingungen normalerweise immer größere Gebiete erfassen, ist bei allen Nestern in dem betreffenden Raum die gleiche Entwicklungsstufe bezügl. Nachkommenschaft/Vermehrung erreicht. Eine Voraussetzung für den Austausch des Genpools.

Zu 7.: Die Gründungsfrage von Nestern (von rufa und polyctena) finde ich die mit am spannendste Frage, die man nur gemeinsam klären kann. Zur Abwanderung: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich Wegsamkeiten für Gase in Störungszonen ändern. Dies kann mechanisch geschehen, dass durch Bewegungen in der Erdkruste Teile abgedichtet, andere neu aufgerissen werden oder durch Mineralbildungen in der Tiefe (z.B. Calcit-Krusten), die das System verstopfen.
Für die genannten Standortfaktoren könnte ich Ihnen sehr viele Standorte zeigen, wo es nach unserem Verständnis eigentlich keine Nester geben sollte (weil die von Ihnen genannten Faktoren nicht einmal suboptimal sind). Sie sind aber dort und sitzen auf einer Störung. Ich kann nur auf die o.g. Ausführungen als Hypothese verweisen. Aber vielleicht gibt es ja im Zusammenhang mit Störungen noch etwas, das wir übersehen haben.
Zur Nestgründung: Wir konnten noch nicht untersuchen, ob es einen Zusammenhang von Formica fusca und Störungen gibt. Es steht noch aus. Aber hier gleich die Frage nach Tochternestbildungen. Wer legt in diesem Fall die Standorte fest? Wandert die Königin aus und sucht den Platz oder machen dies spezielle „Späher“? Stirbt rufa in einer Region aus, wenn es keine fusca gibt oder bleibt die Verbreitung auf den kleinen Raum des bestehenden Nestes bestehen?
Wie verläuft die Standortfestlegung bei polyctena nach der Paarung? Geht die Königin die Bäume ab, um den Bestand der Lachniden zu prüfen, testet Bodenqualität, Verfügbarkeit von Feuchtigkeit, Besonnungsdauer und Baumaterial? Wieviel Zeit bleibt ihr, wenn sie dies an drei, vier oder zehn Standorten erfolglos getan hat? (Sie sehen, ich übertreibe einmal)
Sie werden vermutlich mit Statistik argumentieren. Von hunderten schafft es eine, den richtigen Standort durch „Zufall“ zu finden, die anderen sterben ab.

Mit freundlichem Gruß
Ulrich Schreiber


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